Betreuung Bäckerei Kette

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  • Hallo Leute,
    habe etwas für mich NEUES auf den Tisch bekommen. Es handelt sich um die Anfrage nach Betreuung einer Bäckerei-Kette. Es sind 74 Mitarbeiter. Für ein Angebot würde ich 1,5 Stunden je Mitarbeiter rechnen. Nach Rücksprache mit dem Entscheider und sehr vorsichtigem herüberbringen dieser 88 Stunden wurde mir mitgeteilt, dass dieser Weg in keiner Weise in Frage kommt. Was um alles in der Welt wollen Sie denn die ganze Zeit bei uns machen? Vorher ging es doch auch. Und machen Sie auch die Prüfung unserer Elektrogeräte und unterweisen Sie auch hinsichtlich Hygiene?
    Meine Frage nun.
    Wer hat eventuell ebenfalls eine derartige Problemstellung? Eine Bäckereikette. Ich bin ein wenig irritiert. Was tun? Sollte ich von vorn herein ablehnen?


    Ich bin dankbar für alle Ratschläge.


    Axel

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  • Hallo Axel,


    warum gruppierst Du alle Angestellten in Gruppe II ein? Die meisten sind vermutlich als Verkäufer tätig (WZ 47.2) und somit nur mit 0,5 Stunden zu veranschlagen. Ein Teil sind Verwaltung, etc.
    Dann kommt noch hinzu, dass von den 74 Mitarbeitern vermutlich höchstens 1/3 Vollzeit arbeiten, der Rest oft <20/Woche. Leider lässt sich eine genaue Stundenzahl ohne Kenntnis der Mitarbeiterstruktur nicht nennen. Aber als Vergleich eine Bäckerei mit 5 Fillialen und 63 Mitarbeitern (14 Vollzeit, der Rest Teilzeit oder Aushilfen) kommt in der Grundbetreuung auf gerade mal 32 Stunden/a. Da noch 20% für den BA abgehen, bleiben gerade mal 26h/a.
    Wenn Du es anbieten kannst, kommt dann noch die Prüfung der Elektrogeräte sowie die Hygiene obendrauf.
    Ausserdem kommt noch die betriebsspezifische Betreuung dazu. Bei einem Kunden, der vorher gar nichts hatte ist das ein mehrfaches der Grundbetreuung. Schau mal in die DGUV-Regel 110-004, da findest Du jede Menge Infos zu Bäckereien.


    Viel Erfolg mit dem Neukunden!


    Gruß
    Stephan

    Wer andern eine Grube gräbt... ist Bauarbeiter

  • Hallo


    schau mal bei der BGN da gibt es einen guten Rechner für die DGUV V2


    http://www.bgn-dguv2.de/

    Wenn Du ein Schiff bauen willst.
    So trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeug vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen.
    Sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

  • Hallo Axel,


    warum gruppierst Du alle Angestellten in Gruppe II ein?

    Moin Stephan,


    weil man einen Betrieb eingruppiert und nicht jeden einzelnen Beschäftigten. Ich kenne es nur so, dass anhand des WZ-Codes der Betrieb unter Berücksichtigung der Betriebsart einer Gruppe zugeordnet wird.


    Zitat von Anlage 2 zu §2 (3) DGUV 2


    2. Grundbetreuung
    Die Grundbetreuung weist drei Betreuungsgruppen auf, für die jeweils feste Einsatzzeiten als Summenwerte für Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit gelten. Die Betriebe sind über ihre jeweilige Betriebsart den Betreuungsgruppen gemäß Abschnitt 4 zugeordnet. Für die Grundbetreuung ist je nach Zuordnung in eine der drei Gruppen folgende Einsatzzeit in Stunden pro Beschäftigtem/r und Jahr erforderlich:

    Gruß Frank

    Ich stelle die Schuhe nur hin. Ich ziehe sie niemandem an.

  • Hallo Frank,


    Du hast natürlich Recht, wenn es sich um einen normalen Betrieb handelt. Eine Kette mit unterschiedlichen Betriebsstätten wie z.B. Bäckerei, Verkauf, Verwaltung kann/muss man wie von mir gezeigt unterschiedlich eingruppieren. Solche Betriebe haben stellenweise sogar unterschiedliche Berufsgenossenschaften. Sorry, das hatte ich auch hier als gegeben vorausgesetzt. Selbst wenn die Unternehmer von Arbeitsschutz nicht viel halten sind sie für gewöhnlich über mögliche Einsparungen bestens informiert ;)


    Gruß
    Stephan

    Wer andern eine Grube gräbt... ist Bauarbeiter

  • Diese Problemstellung mit den Einsatzzeiten gem. DGUV kenne ich zur genüge. Einstufung Betrieb gem. WZ Code hilft meistens nicht weiter.
    Ich muss öfters runterbrechen auf Tätigkeit der Mitarbeiter um Einsatzzeiten zu ermitteln um dann ein Angebot abzugeben, welches auch angenommen wird.
    Nur nach WZ Code bekommt man als Freiberufler eher sehr selten einen Auftrag. Insofern geh ich mit Stephan konform wenn ich einen Auftrag erhalten will.
    Gruß Martin

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  • Dank Euch allen,
    ich werde morgen den Auftrag (oder auch nicht Auftrag) verhandeln.
    Bin mit diesen 0,5 Stunden herangegangen, da eben in der Tat viele nicht in Vollzeit arbeiten. Zum Feintuning muss ich die Leute in den Verkaufsfilialen anders bewerten, als die "eigentlichen Bäcker".
    Nach all den Hinweisen komme ich gut weiter. Danke.


    Grüße Axel

  • Hallo zusammen,
    als Freiberufler berechne ich meine Einsatzstunden nur nach dem WZ-Code und nicht nach der eigentlichen Tätigkeit. Natürlich ist es praxisnaher die einzelnen Arbeitsplätze bei der Berechnung einzubeziehen, bloß ist es von den BG´s so nicht vorgesehen. Auch bei der Berechnung von Teilzeitkräften versuche ich mich vorher über die Anforderungen der BG´s schlau zu machen, da jede BG es etwas anders sieht. Ich glaub die BGN rechnet Teilzeitkräfte auch als volle Mitarbeiter was ich eigentlich befürworte, da der Mitarbeiter einer Gefährdung ausgesetzt, ist egal wie lange er pro Tag tätig ist.


    Zu Beginn meiner Selbständigkeit, war ich auch solchen Fragen ausgesetzt und musste dem Kunden erstmal erklären, was meine Aufgaben sind ;-) Mein Tipp: gestalte deine Angebote transparent, damit der Kunde sieht wie die Einsatzzeiten überhaupt zustande kommen.


    Gruß Wiki

  • Ich habe mich ganz von den Stunden in der DGUV V2 für das ausarbeiten von Angeboten verabschiedet, ich sehe mir den Betrieb vorher an, lasse mir die letzten ASA Protokolle geben und schätze dann meinen Aufwand ab. Je nachdem biete ich dann einen Staffelpreis an für das erste und zweite Jahr und ab dem dritten Jahr dann das was ich denke was ein Betrieb dieser Art braucht. Die DGUV V2 ist gut aber meiner Meinung nach auch kein Dogma.


    Gibt es nicht ist der Aufwand für den Start natürlich hoch, ist der Betrieb gut aufgestellt ist auch der Aufwand geringer, ich habe jetzt ein paar Betriebe von einer grossen Gesellschaft übernommen und muss sagen, es wäre besser gewesene hätten nichts gemacht aber das nur am Rande

    "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
    Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."


    "Bessser auf neuen Wegen etwas stolpern, als in alten Pfaden auf der Stelle zu treten"

    Einmal editiert, zuletzt von Leschuh ()

  • Moin,


    das Problem ist immer wieder der Geiz.


    Jetzt ist die SiFa-Betreuung ja eigentlich ein Übel, das man nicht braucht (meinen viele) und das damit teuer ist. Jeder Stundensatz über 65€ wird da schon fast als Wucher angesehen. Jede Kfz-Werkstatt nimmt da mehr, wissen wir alle.


    Auch klar, zum Start der Tätigkeit wird etwas aufgebaut, was nicht da ist. Das kostet Zeit.


    Die Frage ist ja, muss ich diesen Weg mitgehen? Ok, ich persönlich lebe von einer Selbstständigkeit nicht. Das ist nur Hobby. Somit kann ich auch wählerischer sein.


    Das komische, (ob das jetzt nur bei mir so ist?) ist: SiFa ist immer zu teuer. Gab es Besuch von irgendeiner Behörde, dann ist das Wunschlos-Sorglos-Paket sofort und zu jedem Preis möglich.


    Trotz allem:
    Viel Erfolg und guten Umsatz.

    .
    .
    .
    ... viele Grüße vom Waldmann.





    "Et kütt, wie et kütt."
    (kölsche Zuversicht)

  • Genau so ist es, keiner verkauft seine Brötchen umsonst aber die SIFA soll für 15 Euro arbeiten!


    Bei mir ist es im Moment recht günstig die BG besucht verstärkt kleine und mittlere Betriebe die das unsägliche Unternehmermodell machen, naja und die meisten Unternehmer machen eben nix und stehen dann mit runtergelassener Hose da.

    "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
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  • Moin,


    vielleicht eine neue Geschäftsidee:


    Verkauf von USB-Sticks mit vielen Dokumenten, geordnet für eine Branche, nur noch Betriebsdaten eingeben und den Drucker anwerfen..........



    Doch, wer will das? Irgendwie Mist.

    .
    .
    .
    ... viele Grüße vom Waldmann.





    "Et kütt, wie et kütt."
    (kölsche Zuversicht)

  • Sorry, ich habe das Gefühl, dass ich mich wohl immer noch nicht ausreichend ausgedrückt habe.
    Ein einzelner Betrieb wird nach WZ-Code eingestuft und berechnet.
    Ich wollte hier niemanden dazu aufmuntern die Stunden einfach zu reduzieren. Wer weniger als die notwendigen Stunden gem. DGUV Vorschrift 2 anbietet, sollte meiner Meinung nach den Betrieb darauf hinweisen, dass keine ausreichende Betreuung vorhanden ist!


    Aber:

    Zitat von DGUV Vorschrift 2 Anhang 1

    Definition Betriebe


    Das Verständnis für Betriebe ist für größere Unternehmen und Verwaltungen wichtig: Betriebe sind organisatorisch eigenständige Einheiten mit eigener Entscheidungscharakteristik und ihre Zuordnung nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige orientiert sich am Betriebszweck (Steuerberatung, Bank, Kommunalverwaltung/Rathaus, Krankenhaus oder KFZ-Teile-Herstellung, und nicht an der Tätigkeit (wie z.B. Produktion, Vertrieb oder Sekretariat).
    Ein Unternehmen kann unterschiedliche eigenständige organisatorische Einheiten mit spezifischen Betriebszweck beinhalten. Eine Kommune kann z.B. aus Betriebhof, Kindergarten und Museum bestehen, jeder „Betrieb“ wird gesondert eingeordnet und berechnet.

    Das fett markierte ist das Entscheidende bei einer Kette wie von OP erwähnt. Da die einzelnen Betreibsteile Produktion und Verkauf organsinatorisch getrennt sind, kann man unterschiedliche Betriebsgruppen ansetzen. Eine Absprache mit der Berufsgenossenschaft ist immer zu empfehlen. Bei der von mir betreuten "Kette" war das PRoblemlos möglich. Sogar die Verwaltung wurde eigenständig eingruppiert.


    Hallo zusammen,
    als Freiberufler berechne ich meine Einsatzstunden nur nach dem WZ-Code und nicht nach der eigentlichen Tätigkeit.

    Das ist auch richtig so.


    Auch bei der Berechnung von Teilzeitkräften versuche ich mich vorher über die Anforderungen der BG´s schlau zu machen, da jede BG es etwas anders sieht. Ich glaub die BGN rechnet Teilzeitkräfte auch als volle Mitarbeiter was ich eigentlich befürworte, da der Mitarbeiter einer Gefährdung ausgesetzt, ist egal wie lange er pro Tag tätig ist.

    Auch die BGN unterscheidet:
    <20 Wochenstunden * 0,5
    <30 Wochenstunden * 0,75


    Gruß
    Stephan

    Wer andern eine Grube gräbt... ist Bauarbeiter

  • Jau,


    bitte auch beachten:


    Wir reden von GRUNDBETREUUNG!!!


    Das ist das absolute Minimum der Einsatzzeit.

    .
    .
    .
    ... viele Grüße vom Waldmann.





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    (kölsche Zuversicht)

  • Die Vorgehensweise, dass man die Einsatzstunden an den Stand der betriebliche Arbeitsschutzorganisation bemisst, halte ich auch für vernünftig und sollte mal bei der nächsten Revsion der DGUV auch aufgenommen werden.


    Das Unternehmermodell hingegen sollte meines Erachtens abgeschafft werden da es in der Praxis so nicht funktioniert. Existenzgründer haben oft andere Probleme als sich mit Arbeitsschutzmaßnahmen zu beschäftigen ;-)

  • Das Unternehmermodell hat weder Wert noch Nutzen für den Arbeitsschutz.


    Klar gibt die DGUV V2 die Mindestzeiten vor aber es ist kein Dogma.

    "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
    Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."


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  • Das Unternehmermodell hat weder Wert noch Nutzen für den Arbeitsschutz.


    Klar gibt die DGUV V2 die Mindestzeiten vor aber es ist kein Dogma.

    Bei Notaren, Ärzten, Rechtsanwälten und teilweise auch bei Betriebsärzten (je nach Region) sind die Vorgaben aber Dogma.


    Warum dann nicht bei FASI?
    Weil wir zu Blöd sind? Weil wir es nicht schaffen eine HOAi zuschaffen wie andere?


    Wenn das so ist, dann sind wir einfach gut genug unseren Berufszweig entsprechend darzustellen, genauso wie Erzieherinnen, Krankenschwestern und andere Berufsgruppen.
    Also ist Arbeitssicherheit ja eigentlich sinnlos! Weil sie darf kein Geld kosten und wir fördern dieses Bild auch noch.

    Fremde Meinungen sind zu akzeptieren meine Antwort auf "du" oder "sie". Ich möchte geduzt werden.
    Ich schreibe weiter alles mit DU (siehe Forumsregel). Die die kein Du haben wollen, machen gedanklich immer aus dem Du ein Sie.
    Gruß RaBau


    Nur Pessimisten schmieden das Eisen, solange es heiß ist. Optimisten vertrauen darauf, dass es nicht erkaltet. (Zitat von Peter Bamm)