Als fest-angestellte SIFa in einem Unternehmen arbeiten oder als externe SiFa - Pro und Con?

ELK | Anzeige
Werbung auf Sifaboard
  • Liebe Forumsteilnehmer,


    ich bin neu registriert auf diesem Board, und beginne demnächst die Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft (selbst finanziert) und die Jobsuche.


    Ich bitte um Rat hinsichtlich der Frage, was Sie als die Vor- und Nachteile einer Anstellung als SiFa Ihrer Erfahrung nach sein könnten, entweder als Stabstelle (fest angestellt) in einem Unternehmen oder als externer Berater, der an einer Dienstleister-Institution beschäftigt ist.


    Als bisheriger völliger Neuling erscheint es mir so, dass eine Konstellation als "gemietete" / "ausgeliehene" SiFa Spannungsfelder hervorrufen könnte:
    Die Erwartungshaltung der Kunden, möglichst immer alle Vorstellungen "abzusegnen" (und die Erwartungshaltung des eigenen Vorgesetzten, diese Kundenwünsche zu erfüllen) auf der einen Seite, und die eigene objektive Einschätzung der Sicherheitssituation auf der anderen...der Kunde könnte beim Dienstleister eine andere SiFa bestellen, wenn man mal aufrund ernster Einwände etwas "unbequem" wäre.


    Ist es deshalb anstrebenswert, möglichst eine feste und dauerhafte Anstellung beim betreuten Betrieb selbst zu finden?


    Die meisten Stellengesuche die ich verfolgt habe scheinen Dienstleister-Intiutionen zu sein....


    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und bedanke mich herzlich für Ihre Mühe,


    Viele Grüße HeHo

  • Das Thema hatten wir durchaus schon diskutiert (wie man es finden würde, weiß ich jetzt nicht).


    Mein Fazit:


    Festanstellung in einer Firma oder in einer Behörde "aus dem Nichts" ist schier ausgeschlossen. Eigengewächse werden aber durchaus "produziert" und eingesetzt (eigener Mitarbeiter wird ausgebildet). Von daher stellt sich die Frage für Dich eigentlich gar nicht.


    Einige Jahre bei einem seriösen, externen Dienstleister helfen einer SiFa sich die Hörner abzustoßen und sehr viel Erfahrung zu sammeln. Wichtig: keine vorgefertigten Formulare über alle Kunden kippen, der Anbieter soll nicht der Billigste, nicht der Teuerste sein und fair abrechnen (abgerechnete, nicht geleistete Stunden, "nur um die Betreuung nachzuweisen" hilft Dir bei der Weiterentwicklung NICHTS, ist aber bei manchen Externen Standard).


    Optionen:


    Manche sind ein Berufsleben lang glücklich bei Dienstleistern, Manche werden selbständig ("Was die können, kann ich auch, und das ganze Geld gehört mir"), manche, wie ich, tendieren zur Festanstellung (festes Geld, geregelter Urlaub usw.).


    Konflikte:


    Konflikte gibt es pauschal Keine, weder intern noch extern.


    Intern ist man anderen als den fachspezifischen Konflikten ausgesetzt, die nichts mit dem Beruf zu tun haben: Mißgunst, Mobbing, üble Nachrede - wie jeder andere Mitarbeiter in der Firma. Als Externer ist man davor praktisch 100% sicher.


    Je sicherer der Job (ÖD, Großkonzern), desto schlimmer das Mobbing, desto schlimmer sind die Egos des mittleren Managements. Berufliche Konflikte ergeben sich evtl. aus dem verschiedenen Verständnis des SiFa und des Verantwortlichen für Sachverhalte. Hier kann man als SiFa auf ein gemeinsames Verständnis hin arbeiten, oder die Meinung des Vorgesetzten belassen, und die Differenz formlos dokumentieren. Im Fall des Falles schaut jeder, dass er SEINE "Haut rettet", und Du bist als SiFa in der weniger exponierten Position.


    Trennung:


    Externe haben feste Verträge für X Jahre (ca. 1 - 3), die kann man die nicht einfach so "feuern"/austauschen. Man kann höchstens um eine andere SiFa beim selben Dienstleister bitten. Das ist damals in dem Ingenieurbüro, wo ich war, nie und mit niemandem passiert, wäre aber möglich gewesen.


    Als Externer kannst DU den Kunden auch in den Wind schießen, wenn er Dir zu blöd ist (Vertragsauflösung anbieten). Normal kann man sich das locker leisten.


    Den festen Job aufzugeben, ist härter - ich weiß das - aber es geht so oder so weiter :-)

    Einmal editiert, zuletzt von azrazr ()

  • Hallo,


    als SiFa brauchst du ein Wissen, das nie aufhört.


    Der Anfänger hat das nicht. Woher auch.
    Deshalb dieses Wissen fachlich kompetent als externer zu verkaufen? Die Frage beantworte dir bitte selber.


    Schön wäre es, wie ein Lehrling, in der zweiten Reihen Praxis zu erfahren. Damit immer stärker und auch besser werden und irgendwann selber laufen können.


    Ich finde deinen Schritt mutig. Damit der nicht zum Scheitern verurteilt ist brauchst du Input. Vielleicht durch hospitieren, vielleicht durch Kontakte, vielleicht durch einen Job bei einem Dienstleister. Du magst einen Hintergrund an Wissen für eine gewerbliche Sparte haben. Das ist gut. Das brauchst du aber auch an Wissen aus dem Bereich der Arbeitssicherheit.


    Ich wünsche dir viel Erfolg.

    .
    .
    .
    ... viele Grüße vom Waldmann.





    "Et kütt, wie et kütt."
    (kölsche Zuversicht)

  • Bei einem Dienstleiter ist man doch extern als SiFa...


    Das ist auch meine Empfehlung. ITC Graf zahlt zum Beispiel ganz akzeptabel, und hat ein sehr sauberes Konzept. Nur so als Idee, ich würde mich in ähnlicher Situation dort bewerben. Sicher gibt es auch Andere, die gut sind, aber ich kenne insgesamt nicht Viele. Der mit den meisten Stellenangeboten liefert hingegen keine überzeugende Arbeit, weder bei SiFa noch bei Betriebsarzt, es sei denn, der Mitarbeiter ist selbst engagiert (kommt auch bei denen vor).


    Intern, an der Hand des alten SiFa, geht natürlich auch. Meist stellen aber Firmen die neue, interne SiFa erst ein, nachdem die alte SiFa lange aus dem Haus ist, und wollen jemanden mit (viel) Erfahrung.

    2 Mal editiert, zuletzt von azrazr ()

  • Hallo HeHo,


    viel Glück bei Deinen Vorhaben.
    Ohne Berufserfahrung in den SiFa Tätigkeiten wird es sehr schwer bei Dienstleistern und erst recht bei Unternehmen als feste SiFa anzufangen.
    Mittlerweile wird auch bei Dienstleistern eine gewisse Berufserfahrung eingefordert weil die Unternehmen die sie betreuen immer mehr gestandene SiFas fordern. Viele Unternehmen haben immer mehr ein gewisses Grundwissen in der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutes ihrer Mitarbeiter und da wird dann recht schnell gemerkt das der o. die SiFa die einen betreut ein Anfänger ist oder sie richtig beraten kann.
    Das beste was Dir passieren kann ist das Du eine Stelle bekommst wo Du bei einer erfahrenen SiFa mitlaufen kannst und Dir so langsam Deine Erfahrung erarbeiten kannst. Das wird dauern und kann am Anfang auch finanziele Einschnitte für Dich bedeuten.
    Aller Anfang ist schwer aber schaffbar wenn man das nötige Stehvermögen hat.
    Ich selber habe die 60 leicht überschritten und bekomme immer noch mal ein paar interessannte Jobangebote dabei frage ich immer warum man einen so alten Sack noch haben will.
    Es kommen immer wieder die gleichen Antworten: Lange Berufserfahrung im eigentichen Job als Meister (Mitarbeiterführungserfahrung), lange erfolgreiche Erfahrung im SiFa Job und ein gestandener ruhiger sachlicher Mann der keinen mehr was beweisen muß.


    Mein geschwafel soll Dich jetzt nicht entmutigen Deinen Weg zu gehen. Meine Erfahrung sagt mir immer wieder meistens kommt es anders als man denk und alle kochen mit Wasser!

    Mit freundlichen Grüssen aus Braunschweig!


    Hans-Jürgen

  • Schwere Frage....


    Ich würde mir erstmal darüber Gedanken machen, was ich mir vorstellen und realistisch leisten kann.


    Der feste Betrieb hat den Vorteil, dass wenn er gut strukturiert ist, als weltrettender Anfänger auch mal über Ziel hinausschießen darf. In der Regel wird man dann wieder auf den "vernünftigen" Weg gebracht.
    Dienstleister haben den Vorteil, dass man mehr verschiedene Betriebe und unterschiedliche Probleme kennen lernt.
    Ich kenne beide Seiten und für mich haben die Nachteile eines Dienstleisters dafür gesorgt, dass ich wieder fest in einen Betrieb wollte.
    Die Nachteile (AUS MEINER SICHT):
    Ich war in NRW unterwegs und habe für einen 1/2 Std. Termin teilweise 2 Std. auf der Autobahn gestanden. Heißt, je nach Bereich - viel Fahrerei/Steherei und wenig echte Arbeit.
    Je nach Kundenstamm (z.B. Kleinbetriebe) ging es fast immer um Stress mit BG´en oder Behörden und dann wollte der Kunde immer die superschnelle eierlegende Wollmilchsau, am besten sofort und für umsonst. Und das ist eine echte Herausforderung wenn man den Betrieb nicht kennt.
    Ich habe mich nie wohl dabei gefühlt, dass viele Themen die die aufgekommen sind in den Verträgen nicht mit drin waren und somit extra bezahlt werden mussten. Ich bin kein Verkäufer!


    Du siehst, keine einfache Frage die nur aus dem Blickwinkel Geld, besser, schlechter, etc. beantwortet werden kann.

    Grüße aus dem Bergischen Land


    Michael

  • Moin,


    ich hab nach dem Studium auch bei einem Dienstleister angefangen. Am Anfang war es auch wirklich spannend. Dienstwagen, viele neue Städte, Kunden und Arbeitsplätze kennengelernt.


    Die Nachteile als Externe kamen dann nach den ersten Jahren:
    - Man ist immer und überall ein Externer.
    - Häufig wird alles gemacht, damit der Kunde glücklich ist.
    - Bis zu 60% der Arbeitszeit im Auto unterwegs gewesen.
    - Mehrer Termine und Kunden an einem Tag.
    - Die eigentlichen Kollegen sieht man vielleicht 2-3 Mal im Monat.
    - 150 bis 200 Überstunden/Jahr.
    - Trotzdem nicht genügend Zeit, um qualitative Arbeit zu leisten (eigener Anspruch).


    Mittlerweile bin ich aber froh im ÖD zu sein.

    Gruß Roland

  • Hallo,


    ich würde zunächst einmal eine Stelle in der Branche Chemie in Betracht ziehen. Hier sind aufgrund der Vorbildung die besten Chancen und Mitgliedsbetriebe der BGRCI bzw. die BG selber, suchen i.d.R. immer Personal.


    In anderen Branchen ist es sicher etwas schwieriger, weil die Voraussetz8ungen zum Tätigwerden gemäß ASiG (Chemiker) nicht vorliegen.


    Ich persönlich würde eine Festanstellung in einem Unternehmen immer einem Dienstleister vorziehen.

    Gruß
    AL_MTSA


    Sicherheit schaffen ist besser als Vorsicht fordern.
    Ernst Gniza (1910 – 2007),

  • Moin.
    Ich bin Externe FASI, aber bei einem Dienstleister angestellt.
    Die anderen haben ja schon einiges geschrieben...




    Vorteile:
    Du
    - kommst rum (und auch draußen; an der frischen Luft)
    - siehtst viele unterschiedliche Kunden und Branchen (wenn du Erfahrung und die verschiendenen LEKs hast)
    - kannst auch mal einen Kunden "abschießen"; aber nur wenn du ausreichend hast
    - kannst dich (wenn du einen GUTEN Kunden hast) im AS austoben. Das geht über ganzheitliche Konzepte, Mitarbeit am Managementsystem, Einführen von Systemen (AMS) usw. usw.
    - bist, wenn du gut bist, im Unternehmen angesehen und sie sehen dich auch GERNE (ja, sowas soll es geben...)
    - hast viel Kontakt mit allen Hierarchien


    Nachteil:
    Du
    - bist das Mädchen für alles. Nicht nur branchenübergreifend (Manche Dienstleister scheren sich überhaupt und gar nicht an die BG Zulassung. FASI ist FASI). Dann kommen auch so tolle Aufgaben auf dich zu wie z.B. ein Rechtskataster zu schreiben (Umweltmanagement), Mitarbeit am Qualitätsmanagment usw. usw.
    - auf deine Stunden gem. DGUV V2 kommst du so gut wie nie (Kalkulation deines "Lohns")
    - Behörden und BGkontakt (das kann echt nervenaufreibend sein)
    - häufig (gerade bei "Kleinen" Kunden) Tätigkeit als AlibiFASI (dadurch wirst du auch nie auf Akzeptanz stoßen. Wenn du drei/viemal die gleichen Berichte schreibst und ständig das gleiche siehst, ohne dass es sich bessert ist das frustrierend)
    - kommst rum (kann auch negativ sein; du bist im AUSSENDIENST!, Fahren, Übernachten, nicht bei der Familie sein, Staus, Unfälle etc.)
    - Kundenaquise fällt voll und ganz auf dich zurück (Und das kann echt frustrierend sein!)


    Mein Tipp:
    Als FASI brauchst du Erfahrung! Und die bekommst du nicht wenn du die Ausbildung in deinem kleinen stillen Kämmerchen machst. Du solltest aus meiner Sicht ohne Erfahrung im AS mindestens ein Jahr mit einer erfahrenen FASI rumlaufen; eigentlich eher mehr. Du siehst als Anfänger überhaupt nix. Such dir eine Festanstellung für die Ausbildung und für zwei Jahre Berufserfahrung.


    ODER:
    Vielleicht schaust du dich mal um; es gibt auch einen Mittelweg. Es gibt verschiedene Dienstleister im Bereich AS die sich ihren Nachwuchs ziehen. Festangestellt beim Dienstleister wie z.B. TÜV, VDE, BAD usw. usw. Damit entfällt das ganze Thema Aquise, Eigenleistung usw.


    Und ich habs schon öfters geschrieben.
    Beschäftige dich mal mit dem Thema "Haftung der externen FASI" bei z.B. Falschberatung oder wenn ein Unfall passiert und du hast was übersehen....
    Dann wird es nämlich eng.


    Mike


    Und schau dich hier mal um... das Thema gabs schon öfters.


    Kann ich SiFa werden?

    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Irgendwann gehe ich zur BG und lasse mir den Arbeitsschutz als Berufskrankheit anerkennen...


    Wisst ihr was das Schlimmste ist? Wenn nicht.. .klickt hier ....


    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    Mike