Unfallanzeige oder Verdachtsanzeige BK

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  • Moin,

    ich brauche mal Schwarmwissen.

    Eine Mitarbeiterin hatte bei der Arbeit eine allergische Reaktion, wir haben den Nitrilhandschuh in Verdacht.
    Kontakt zu Gefahrstoffen bestand nicht, die Handschuhe werden aus "hygienischen Gründen" getragen, da an diesem Arbeitsplatz zurückgehendes Geschirr und Besteck manuell von Speiseresten gereinigt werden.

    IMHO sind die Unfallkriterien gegeben: Ereignis, Gesundheitsschädigung, plötzlich, von außen, unfreiwillig.

    Nun ist es aber so, dass die Dame "schon mehrfach" allergische Reaktionen zeigte (über diese aber nie berichtet hat :cursing:), nur war es noch nie so extrem wie an diesem Tag.
    Sie arbeitet nun seit 13 Monaten bei uns und in dieser Abteilung und wird aktuell nicht mit arbeiten beauftragt, bei denen Sie diese Handschuhe tragen muss.

    Meine Recherche ergab, das es keine bekannten Allergien gegen Nitril gibt. - Allergische Reaktionen bei Nitrilhandschuhen kommen trotzdem vor und lassen auf Zusatzstoffe, Beschichtungen etc. zurückführen.
    Diese Allergien können auch erworben werden.

    Ist das nun eine Unfallanzeige oder eine Verdachtsanzeige auf Berufskrankheit?

    Danke für Eure Meinungen.

    Liebe Grüße
    Micha


    Glück auf! *S&E*

    *Deu*Unfallverhütungsvorschriften werden mit Blut geschrieben...
    ... und aus Bequemlichkeit ignoriert.
    *usa*Accident prevention regulations are written in blood ...
    ... and ignored out of convenience.
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  • Guten Morgen,

    ich würde zuerst den Betriebsarzt einschalten. Die Unfallkasse / BG kann da erstmal nicht viel machen. Für eine Meldung muss ein Ausfall von mindestens drei Tagen vorliegen. Im Zweifel entscheidet die Unfallkasse ob Sie es als Unfall anerkennen.

    Erstes Ziel: Herausfinden des Auslösers der Allergie. Also muss die Kollegin mal zum Hautarzt. Natürlich mit den Handschuhen.

    Ansonsten kann man mit Unterziehhandschuhen den Hautkontakt direkt vermeiden. Also Anweisung zur Tragepflicht mit Unterschrift.

    Eine Anerkennung als Berufskrankheit erfolgt vermutlich nicht nach so kurzer Zeit. Aber es gibt z.B. Latex Allergien. Die kommen aber in der Regel nicht von der Arbeit sondern sind schon davor vorhanden.

    Grüße

  • Vielleicht benutzt deine Kollegin auch eine Handcreme mit / ohne Parfüm. Die aber unter einem Handschuhe eine Hautreaktion auslöst. Oder Kontakt vor dem Handschuhanziehen mit etwas anderem am Arbeitsplatz das ohne Handschuh nicht problematisch ist. Denn unter einem Handschuh wird es warm. Lass sie doch mal eine Woche eine andere Arbeit machen.

  • Bei der Herstellung von Nitril Handschuhen werden durchaus allergene Stoffe eingesetzt, die im Herstellungsprozess umgesetzt oder ausgewaschen werden. Reste davon können trotzdem noch vorhanden sein. Es wären z.B. Thiram, CAS 137-26-8; Benzothiazol-2-thiol, CAS 149-30-4; Disulfiram, CAS 97-77-8. Die zuvor genannten Produkte haben alle eine H317 Einstufung.

    Man könnte die Beschäftigte auf allergische Reaktionen gegenüber diesen Stoffen testen. Weiterhin den Handschuhhersteller befragen, was denn da in der Produktion so eingesetzt wird. Dies sollte alles über die Arbeitsmedizin laufen.

    Möglicherweise ergibt sich bei einem anderen Handschuh keine allergische Reaktion, daher Substitution prüfen.

    Zur besseren Lesbarkeit verwende ich in meinen Beiträgen das generische Maskulinum. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

    Nee, ich zeige jetzt immer auf Axel. Was der nicht weiß, ist nicht relevant. 8) (ThiloN)

  • Moin

    Verdachtsanzeige auf BK stellen, kann auch der Hautarzt sogar jeder Arzt. (dann wird erstmal auf Kosten der BG behandelt, damit das Ekzem abheilen kann. Offene Haut macht die Gefahr einer Sensibilisierung um ein vielfaches größer).

    Weitere Abklärung erfolgt dann über den beauftragten (ggf. eigenen) Hautarzt, ggf. wird auch zum Gutachter geschickt.

    Der kann dann mittels Epikutantest die Bestandteile des Handschuhs testen (oder den Handschuh selber).

    Desinfektionsmittel können übrigens auch Kontaktallergien machen.

    Das blöde ist, Kontaktallergien treten mitunter erst Stunden bis Tage später auf.

    Bei Sofortreaktion ist es meist keine Kontaktallergie , was gegen Handschuhe spräche.

    Schu-huu-le

    sagt die Eule01

    „Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich das generische Femininum. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen alle Personen; alle sind damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen und mitgemeint.“

    Omnia rerum principia parva sunt. [Der Ursprung aller Dinge ist klein.] (Cicero)

    Einmal editiert, zuletzt von Eule (23. Januar 2025 um 11:34)

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  • Ich habe hier nur positive erfahrungen gemacht, wir haben in der vergangenheit auch bei einem MA eine Verdachtsanzeige auf BK gestellt und somit ging es mit der Urachen Ermittlung und der Behandlung deutlich schneller.


    Grüße Nils

  • Definitiv den Weg über den Arbeitsmedziner gehen. Ggf. könnt ihr im Vorfeld schon viele Faktoren ausschließen, etc. Allerdings geht es "bei der Arbeit erworbenen" Themen oft auch darum, dass weitere Beratungs-/Unterstützungleistungen seitens der BG angeboten werden.

    Durch die BK-Verdachtsanzeige wird dieser Prozess angestoßen.

  • Vermutlich chronisch. Insofern fällt Unfall weg und es bliebe Verdachtsanzeige BK. Kann sie im übrigen auch selber stellen, dazu bedarf es nicht zwingend eines Arztes.

    Ich kann es Dir nicht anders erklären, nur noch lauter!

  • Wir hatten einen ähnlichen Fall, über den Betriebsarzt hat sich dann rausgestellt, das es eine Allergie gegen ein Parfüm im Hautschutzmittel war. Das Hautschutzmittel ausgetausch und der Fall war erledigt.

    Gruß Peter

    "Sicherheit ist etwas, das zwischen den Ohren passiert, nicht etwas, das man in den Händen hält." - Jeff Cooper

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  • Hallo zusammen,

    erst einmal Danke für Euren input und (m)eine Wasserstandsmeldung dazu:

    • Ich habe eine Verdachtsanzeige BK geschrieben.
      Wie die BG das dann doch als "Unfall" einstuft, ist mir das egal. - Wichtig ist, dass etwas vorliegt.
    • Die Hautpflegeprodukte werden in kürze durch andere Produkte ersetzt werden.
      Das hat aber andere Ursachen und nicht mit dem vorliegenden Fall zu tun.
      Die Produkte sind Parfüm- und Mikroplastikfrei, Seifen nicht abbrasiv wirkend.
    • Die MA der ganzen Abteilung haben in 02/2025 den nächsten Vorsorgetermin beim BA. Ist Angebotsvorsorge, die auch angenommen wird. - Schon in der Vergangenheit.
    • Mit ein wenig Glück erhalte ich heute Handschuhmuster eines deutschen Markenherstellers, die ich der Dame dann zum Testen übergebe.
      (Das schließt eine geringfüge Umstellung des Arbeitssystems mit ein, die ohnehin sinnvoll ist)
    • Eule : Allergische Reaktionen der Haut können aber auch schon 15 Minuten nach Kontakt auftreten.
    • Der MA wurde die Konsultation eines Dermatologen für alles weitere empfohlen.
      Das Paket mit den handschuhen wurde der MA übergeben, mit dem Hinweis, diese zu allen Arztterminen wegen der Allergie mitzunehmen.
    • Aktuell ist die MA in einem anderen Bereich eingesetzt, in dem diese Handschuhe nicht gertagen werden.

    Liebe Grüße
    Micha


    Glück auf! *S&E*

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    ... und aus Bequemlichkeit ignoriert.
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    • Eule : Allergische Reaktionen der Haut können aber auch schon 15 Minuten nach Kontakt auftreten.

    Typ 1 Allergie (Soforttyp, die z.B. auch eine anapylaktische Reaktionen machen z. B. Latex, Insektengift, Pollen, Tierepithelien etc.): ja

    Typ 4 Allergie(Konatkallergie): nein

    Schu-huu-le

    sagt die Eule01

    „Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich das generische Femininum. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen alle Personen; alle sind damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen und mitgemeint.“

    Omnia rerum principia parva sunt. [Der Ursprung aller Dinge ist klein.] (Cicero)

  • Eule

    "Allergische Reaktion auf der Haut: Welche Allergien lösen Ausschlag aus?"

    <...>

    Sie zeigen sich als Hautausschlag, juckende Quaddeln oder Bläschen. Je nach Symptom blühen sie sofort auf – oder aber erst Stunden oder Tage, nachdem die Haut Kontakt zu einem auslösenden Stoff hatte. In detektivischer Arbeit finden Allergologen mithilfe passender Testverfahren und einer genauen Befragung der Betroffenen die ursächlichen Allergene hinter Kontaktekzemen.

    <...>

    Aber ehrlich? - Das Zeitfenster interessiert mich nicht wirklich.
    Was ich anleiern kann habe ich angeleiert bzw. ist schon in der Umsetzung.
    Die Symptomatik der Dame ist etwas für Mediziner und das bin ich nicht.

    Das mit der Kontaktallergie ist auch nur meine "Laiendiagnose" aufgrund des räumlichen und zeilichen Zusammenhanges, indbesondere, das die Symptome nach verlassen des Arbeitsplatzes sehr schnell abgeklungen sind.

    Liebe Grüße
    Micha


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  • Eule

    Aber ehrlich? - Das Zeitfenster interessiert mich nicht wirklich.
    Was ich anleiern kann habe ich angeleiert bzw. ist schon in der Umsetzung.
    Die Symptomatik der Dame ist etwas für Mediziner und das bin ich nicht.

    Das mit der Kontaktallergie ist auch nur meine "Laiendiagnose" aufgrund des räumlichen und zeilichen Zusammenhanges, indbesondere, das die Symptome nach verlassen des Arbeitsplatzes sehr schnell abgeklungen sind.

    Doch gerade...den wenn eine Kontaktallergie erst 24 Stunden später auftritt, muss man es auf den Schirm haben, das ein Allergiekontakt Stunden/Tage zuvor hatte...

    Aber klar...frag den Arbeitsmediziner... dann muss der Laie nicht denken:P

    Schu-huu-le

    sagt die Eule01

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    Einmal editiert, zuletzt von Eule (24. Januar 2025 um 13:05)

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  • Eule
    OK, so herum gesehen hast Du natürlich 100% recht.

    Das setzt aber wiederum vorraus, dass die MA sich melden.
    Meine Kristallkugel ist noch nicht aus der Reparatur zurück. :D

    Liebe Grüße
    Micha


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  • IMHO sind die Unfallkriterien gegeben: Ereignis, Gesundheitsschädigung, plötzlich, von außen, unfreiwillig.

    Unfalldefinition gemäß SGB VII: Unfälle sind zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen (§ 8 SGB VII)

    Die oben hervorgehobenen Kriterien sind nicht bzw. nicht eindeutig erfüllt, demnach handelt es sich aus meiner Sicht hier nicht um einen Unfall.

  • Micha_K Danke für die Auflistung der getroffenen Maßnahmen. Finde es spannend zu erfahren, ob bzw. was von den (vielen) Ratschlägen dann auch umgesetzt wird.

    Aus meiner Sicht hast du eine gute Mischung aus starkem Engagement, aber auch guter fachlicher Abgrenzung gefunden. |?

    Man kann/muss nicht alles selbst machen.

  • Micha_K Danke für die Auflistung der getroffenen Maßnahmen. Finde es spannend zu erfahren, ob bzw. was von den (vielen) Ratschlägen dann auch umgesetzt wird.

    Aus meiner Sicht hast du eine gute Mischung aus starkem Engagement, aber auch guter fachlicher Abgrenzung gefunden. |?

    Man kann/muss nicht alles selbst machen.

    Es wird alles umgesetzt werden, ich habe die volle Unterstützung meiner Cheffin.

    Wichtiger ist, das die MA mitziehen. Da ist noch Aufbauarbeit zu leisten.

    (Und Danke für das Lob)

    Liebe Grüße
    Micha


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