Ausbildung Betrieblicher Psychologischer Erstbetreuer/innen

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  • Hallo zusammen,


    Extremerlebnisse sowie Notfallsituationen nach Unfällen führen oftmals zu Belastungen und Traumatisierungen bei den betroffenen Mitarbeitern. Psychische Erkrankungen, Arbeits- und Berufsunfähigkeit können die Folge sein. Eine frühzeitige psychologische Betreuung ist sinnvoll, um solche Folgen zu vermeiden. (Siehe DGUV-I 206-023). https://publikationen.dguv.de/…pdf/download/article/3227


    Wer hat diese Ausbildung schon angeboten oder vielleicht selbst daran teilgenommen ?

    Gibt es Erfahrungen Eurerseits ?



    Gruß tanzderhexen


    "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft"
    Werner von Siemens, Zitat von 1880
    „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
    Aristoteles griech. Philosoph 384 -322 v. Chr.

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  • Morsche,


    wir haben eine Halbtagskraft mit Ausbildungshintergrund im psychologischen Bereich.

    Diese würde/ wird in so einem Fall hinzugezogen, mit gutem Ergebnis. Abgerundet wird das durch die katholische Seelsorgerin, die weitgehend nur in unserem Krankenhaus tätig ist. Bei ihr wird auch gerne Hilfe gesucht.


    Allerdings stellt hier ein Krankenhaus, zumindest was die seelsorgerische Unterstützung betrifft ganz sicher einen Sonderfall dar, der nicht auf andere Bereiche 1:1 übertragbar ist.

    Andererseits spricht auch nichts dagegen mit der Pfarre Kontakt aufzunehmen, ob hier eine fallbezogene Ünterstützung machbar wäre.


    Ganz wichtig ist eine fundierte Ausbildung, die in meinen Augen nicht mit einem kurzen Seminar abgedeckt ist. (Ich kenne die Ausbildung nicht, wie in der Überschrift angeführt)

    Ein weiterer zentraler Punkt ist die Auswahl der richtigen Person/ der richtigen Personen. Ein Interesse an der Aufgabe wird nicht ausreichen. Empathiefähigkeit, Gesprächsführung, etc. müssen auf jeden Fall vorhanden sein. Dem einen ist das in die Wiege gelegt, dem anderen wird es nie gelingen das Erlernte umzusetzen.


    Noch ein Hinterweis: Bei Übergriffen bietet die BGW eine psychologische Betreuung mit AFAIRC sechs Terminen an. Vielleicht bieten andere BGen sowas nach belastenden Schadensereignissen an. Die zuständige technische Aufsichtsperson sollte da zu etwas wissen.


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    Hardy

    Multiple exclamation marks are true sign of a diseased mind.
    (Terry Pratchett)
    Too old to die young (Grachmusikoff)

    Einmal editiert, zuletzt von elschwoabos ()


  • Bei Einzelereignissen (Unfällen oder anderen traumatischen Erlebnissen) ist ein professioneller Seelsorger gefragt und anschließend weiterhin professionell betreut bis klar ist, dass das Thema abgehandelt ist, und keine Gefahr mehr besteht (zumindest offensichtlich).


    Ich kann mich hierbei nur elschwoabos nur anschließen, dass das nicht jeder machen kann.

    Hier müsste professionelle Hilfe geholt werden.

    Als Ersthelfer vor Ort ist es vollkommen ausreichend wenn einfach jemand da ist, da benötigt es !Meiner Meinung nach! keine zusätzliche Ausbildung.


    Leider ist das nicht so einfach wie ein gebrochener Knochen oder eine Schnittverletzung.


    Kurzum: von Mitarbeitern die ein solches "Amt" übernehmen halte ich nicht wirklich viel...Um Spontan in einer Stresssituation jemandem zur Seite zu stehen bedarf es relativ wenig, außer nicht auszuflippen und ruhig zu bleiben. Und das sollte jeder können der nicht panisch wegrennt.


    Bei langfristiger Erkrankung:

    Ich denke die größte Herausforderung hier besteht darin, zu erkennen ob jemand bereits in dem Stadium ist und Hilfe benötigt.


    Meine persönliche Erfahrung mit psychischer Erkrankung ist das man es nicht Abschätzen kann ob und wie weit der Betroffene belastet/erkrankt ist. Und wenn der Betroffene keinen Willen hat (bzw sich selbst eingestanden hat das er/sie ein Problem hat), wird das auch nichts mit der Behandlung und "Frühwarnsystemen".

    In meine privaten Umfeld habe ich so einen Fall (er weiß das er ein tiefgreifendes Problem hat, ist auch hin und wieder in psychoterapeutischer Behandlung, "entlässt" sich aber immer wieder selbst weil es ist ja gut...seine Umwelt nimmt er kaum noch wahr, und wenn man ihn darauf anspricht ist er stolz mit welchen Mitteln er den behandelnden Arzt "bestochen" hat, um 2 Monate eher aus der Therapie entlassen zu werden) bei dem keiner weiß ob der Mann eine Gefahr für sich oder andere darstellt. Es scheint zumindest nicht so weit zu sein, das ihn die Therapieklinik einbehalten oder anderweitig geschlossen verlegt hat.

    Der Mann muss sich selbst helfen indem er akzeptiert das er Hilfe benötigt und diese auch annimmt, und nicht alle pieps lang feststellt das es unangenehm ist sich seinen persönlichen Problemen zu stellen und sie zu bearbeiten und zu lösen.

  • Ich kann mich hierbei nur elschwoabos nur anschließen, dass das nicht jeder machen kann.

    Hier müsste professionelle Hilfe geholt werden.

    Als Ersthelfer vor Ort ist es vollkommen ausreichend wenn einfach jemand da ist, da benötigt es !Meiner Meinung nach! keine zusätzliche Ausbildung.

    Das sehe ich eigentlich auch so. Und hier steht die Empathiefähigkeit an erster Stelle. Außerdem das persönliche Verhältnis untereinander.


    Nichtsdestotrotz finde ich die grunsätzliche Idee von Kräften für eine Krisenintervention als sinnvoll an.


    Hardy

    Multiple exclamation marks are true sign of a diseased mind.
    (Terry Pratchett)
    Too old to die young (Grachmusikoff)

  • Danke erstmal für Eure Antworten.

    Die Ausbildung wird bei uns angeboten. Ich werde daran teilgenommen und schauen was rüberkommt und inwieweit es am besten umsetzbar ist.

    Hintergrund ist in erster Linie die Betreuung nach schweren Unfällen der betroffenen Mitarbeiter.

    Ich bin selbst schon zu schweren Unfällen gerufen worden. (vor Jahren auch schon zu einem mit tödlichem Ausgang).

    Vielleicht bieten andere BGen sowas nach belastenden Schadensereignissen an

    Bei einem schweren Unfall bei dem auch der TAB zeitnah hinzukam wurde von der BG die psychologische Betreuung sofort angeboten.


    Ziel bei uns ist es, die akuten Stressreaktionen möglichst zu vermindern, die Kollegen zu betreuen und die Weitervermittlung in professionelle psychologische Versorgung sicherzustellen.

    Ich werde wie gesagt daran teilnehmen und dann mal meine Eindrücke hier schildern.



    Gruß tanzderhexen


    "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft"
    Werner von Siemens, Zitat von 1880
    „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
    Aristoteles griech. Philosoph 384 -322 v. Chr.

  • <...>

    Hat schon mal jemand seiner Frau widersprochen ? Gibt es da Erfahrungsberichte von Überlebenden ? :Lach:
    <...>

    1.Mechanische Gefährdungen:
    1.2 Teile mit gefährlichen Oberflächen
    (Messer)

    1.4
    unkontrolliert bewegte Teile
    (Nudelholz)

    1.6
    Absturz
    (Treppe)


    3.Gefahrstoffe
    3.3 Verschlucken von Gefahrstoffen
    (je nachdem was die Hausapotheke so hergiebt)


    5.Brand und Explosionsgefährdungen

    5.2 Explosionsfähige Atmosphäre
    5.3 Explosivstoffe

    (Die Göttergattin selbst)


    6.Thermische Gefährdungen
    6.1 heiße Medien/Oberflächen
    (Bügeleisen, auch gerne in Kombination mit 1.4)

    7.Gefährdung durch spezielle physikalische Einwirkungen
    7.1 Lärm
    (Quelle: Frau)
    7.3 Ganzkörpervibrationen
    (Quelle: Frau)
    7.6 ionisierende Strahlung
    (
    DER Blick)

    8.Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen
    8.1 Klima (z.B. Hitze, Kälte, unzureichende Lüftung)
    (Wenn man mal wieder auf dem Balkon schlafen muß)
    8.3 Ersticken
    (Kopfkissen, nachts)
    8.4 unzureichende Flucht- und Verkehrswege

    9.Physische Belastung/ Arbeitsschwere
    9.1 schwere dynamische Arbeit
    (Ausweichen der unter 1.4 genannten, sich nähernden Teile)

    10.Psychische Faktoren
    10.3 ungenügend gestaltete soziale Bedingungen
    (Kein Einsehen, daß sie doch unrecht hat)


    11.Sonstige Gefährdungen
    11.1 durch Menschen
    (Der Einfallsreichtum sollte nicht unetrschätzt werden!!!)



    Sorry, ich konnte einfach nicht wiederstehen...

    Nur Scheiße "passiert". - Unfälle werden verursacht!

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  • Hallo Kinzig,


    vielen Dank für die Info.

    Gruß tanzderhexen


    "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft"
    Werner von Siemens, Zitat von 1880
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  • Hab die Ausbildung zum betrieblichen psychologischen Ersthelfer (bpE) noch kurz vor Corona gehabt.


    Es war ein sehr gut professionell durchgeführtes Ausbildungsseminar.


    Psychologische Erstversorgung in Unternehmen mit einem erhöhten Risiko schwerer Arbeitsunfälle wurde in den letzten Jahren von der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V.) zunehmend thematisiert.

    Für eine effektive Prävention spielt eine Zusammenarbeit verschiedener qualifizierter Laienhelfer und professioneller Unterstützungssysteme eine entscheidende Rolle.

    Eine gute psychologische Erstversorgung hat sich im Verlauf der weiteren Verarbeitung traumatischer Ereignisse als hilfreich und stabilisierend gezeigt und wird auch von der DGUV empfohlen, hier setzt das Konzept der betrieblichen psychologischen Ersthelfer (bpE) an.


    BpE sind kollegiale Ansprechpartner und leisten unmittelbar nach dem Ereignis, d.h. in den ersten 2 Tagen, fundierte nicht-therapeutische psychosoziale Erste Hilfe, informieren und begleiten Betroffene und deren Kollegen und geben Informationen über weitere Unterstützungsmöglichkeiten durch Notfallpsychologen und Therapeuten.

    Die Kenntnisse über die Tätigkeiten und Anforderungsprofile der Betrieblich Betroffenen führt zu einer erleichterten Kontaktaufnahme, mehr Vertrauen in den Helfer da dieser aus dem eigenen Betrieb kommt und weniger Erklärungsbedarf im Zustand akuter Belastung.

    Ich kann die Weiterbildung nur empfehlen.

    Wer Interesse hat , ich kann Euch den Kontakt zur Ausbildungsleitung herstellen.

    Gruß tanzderhexen


    "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft"
    Werner von Siemens, Zitat von 1880
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  • Hi,


    wäre der betriebliche psychologische Ersthelfer (bpE) auch ein möglicher interner Ansprechpartner für Beschäftigte, die aufgrund der aktuellen Lage Angst haben, sich bei der Arbeit anzustecken und dementsprechend eine Minderleistung erbringen oder die Arbeit sogar verweigern? Oder zielt die Ausbildung "nur" auf traumatisierende Erlebnisse (z.B. Unfall, Überfall) ab und es muss erst was passieren, bevor der bpE tätig wird bzw. gemäß seiner Ausbildung tätig werden kann?


    schöne Grüße

  • Das könnte aus meiner Sicht durchaus auch ein Einsatzbereich sein.


    Siehe DGUV Information 206-023

    "Standards in der betrieblichen psychologischen Erstbetreuung (bpE) bei traumatischen Ereignissen "

    Dort unter 2:

    "Von alltäglichen psychischen Belastungssituationen und Stress unterscheiden sich traumatische Ereignisse dadurch, dass die Betroffenen Angst, Hilflosigkeit und Kontrollverlust erleben.

    Typische Reaktionen nach einem traumatischen Ereignis sind"


    Angst vor der Ansteckung und den möglichen Folgen könnte aus meiner Sicht durchaus ein Faktor sein.


    https://publikationen.dguv.de/…traumatischen-ereignissen




    Gruß tanzderhexen


    "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft"
    Werner von Siemens, Zitat von 1880
    „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
    Aristoteles griech. Philosoph 384 -322 v. Chr.

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