Beinaheunfälle aufnehmen

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  • Hi Micha,
    Also wir haben wöchentliche Rundgänge in denen wir die Themen abarbeiten. Je nachdem wieviel es sind dauert es eben :) aber 1 mal wöchentlich wird mit dem Siba/Betriebsleitung oder Assistent/ Ingenieur / mir und einer aus der Produktion ein Rundgang gemacht. Anschließend werden Aufgaben / Verantwortung weiter delegiert die daraus resultieren.
    Natürlich gibt es Themen die länger dauern.
    Aber zumindest die "einfachen dinge" kann man schnell damit lösen oder Projekte initiieren !


    Wir haben eine eigene sicherheitsabteilung die bei komplizierten Dingen für uns beratend tätig ist (EHS Abteilung).


    Also Arbeitslos wird bei der Anzahl an Meldungen keiner :)


    Gruß

  • Hallo,


    schlimm finde ich, dass einige Groß-Konzerne meinen, dass wenn keine oder zu wenige Beinahe-Unfälle gemeldet würden, die anderen also vertuscht würden. Also gibt es da eine Pflicht eine bestimmte Anzahl "Unsicherer-Zustände" pro Mitarbeiter zu melden. Was passiert aber, wenn es garnicht so viele "Unsichere Zustände" mehr vorhanden sind, daß jeder Mitarbeiter pro Jahr 20 Stück melden könnte? So werden mitunter solche Zustände künstlich herbeiführt oder unsinnige Umstände gemeldet, nur um die Meldequote zu erfüllen. ?(


    Allein die Anzahl der meldungen macht die Produktion nicht sicherer. Jede Meldung muss ja auch Abstellmaßnahmen und auch den Willen nachsichziehen, Abstellmaßnahmen einzuführen. Und dieser Wille wird durch diese Sammelwüterei auch nicht gestärkt!


    Gruß Frank

    Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden;
    es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun. (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Danke Oliver, hört sich gut und richtig an.


    Frank : Wie Mick Jagger schon sagte: You can't always get what you want. Was will ich damit sagen? Dies ist das Dilemma Qualität vs. Quantität. Hab ich keine Meldungen (Quantität = 0) hab ich gar nichts. Hab ich Quantität, leidet zwar die Qualität, aber am Ende habe ich etwas mit dem ich was anfangen kann, auch wenn der brauchbare Anteil nur bei 20% liegt.


    Solche Dinge sind natürlich ein Stück weit Firmenphilosophie und man kann sie unterschiedlich betrachten - aber es ist eben in meinen Augen doch mehr als reine Sammelwut. Ich habe in einem Unternehmen gearbeitet in dem es hieß: Pro MA und Schicht eine Meldung - allerdings hatte das Unternehmen 150.000 Beschäftigte!!!! Da ist es mit Prosa nicht mehr getan. Dann mußt du ein System aufsetzen, welches du weitestgehend automatisiert auswerten kannst, da es sonst überhaupt keinen Nutzen mehr hat. Aber...es hat funktioniert und uns echt nach vorn gebracht...


    Und bevor die Meckerei losgeht: Natürlich hat auch hier nicht jeder jeden Tag mitgemacht...


    In diesem Sinne
    Der Michael

    "...and the image is reflected back to the other side..." (Alan Parsons Project)

  • In meinen Augen, können gar nicht zu viele Beinahe-Unfälle gemeldet werden und "Unsichere Zustände" wird es leider immer geben.
    Aber du hast auch Recht, Qualität ist auch hier immer besser als Quantität !


    Grüße @all,


    Heinz

    Wer aufhört besser werden zu wollen, der hat aufgehört gut zu sein !
    Von Marie von Ebner-Eschenbach

  • Ich meine das Augenmerk muss auf den Beinaheunfällen liegen, die es tatsächlich gibt und nicht darauf, möglichst viele zu melden, damit die Quote nach oben stimmt, die sich irgendein CEOOO überlegt hat. Das ist das selbe wie diese "Null Unfall Politik"! Wo mir ein 10.000 MitarbeiterInnnen starker Betrieb der weltweit im Steinbruchgewerbe weiß machen will, seit 10 Jahren keinen einzigen meldepflichtigen Unfall gehabt zu haben. :Lach::44:
    Irgendwelche Zahlen sagen überhaupt nichts aus! Aus Beinahe-Unfälle alleine zu melden bringt ja noch lange keine Verbesserung!


    Gruß Frank

    Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden;
    es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun. (Johann Wolfgang von Goethe)

  • Naja, die meldepflichtigen Unfälle in Steinbrüchen liegen alle noch unter den riesiegen Steinblöcken. Die kannste ja nicht befragen.
    Was willste denn da melden? Die Ursachen kennste nicht, die Verletzungen kennste nicht und wer drunter liegt weisste auch nicht.
    Also what shalls? :Lach::Lach::Lach::Lach::44:

    Man(n) ist erst dann ein Superheld, wenn man sich selbst für Super hält!
    (unbekannt)

    „Freiheit ist nicht, das zu tun, was Du liebst, sondern, das zu lieben, was Du tust.“
    (Leo Tolstoi)



    Gruß Mick

  • Das lachen vergeht dir als Sifa wenn morgens die Taxen vorfahren, die Mitarbeiter zur Zeiterfassung humpeln und bis Feierabend wieder nachhause gebracht werden. Nur damit der Kapitalgeber aus USA seine Vision Zero bekommt und die Investitionen weiter rüberkommen.
    Alles damit die Zahlen stimmen. Glückwunsch! Leider weit verbreitete Firmenkultur!


    Gru Andy

    Ich erhebe keinen allgemeingültigen Anspruch auf die Wahrheit, wie alle Menschen habe auch ich nur meine Sicht der Dinge!

  • ach ja! Gleiches Unternehmen - je mehr Meldungen desto besser. Darum erhält jeder MA eine Summe x für jede Meldung. Trägt dann etwas merkwürdige Früchte, wie - wäre fast auf meiner Bananenschale ausgerutscht.. Aber wie sagte der Kollege - auf die Quantität kommt es an. :D


    Gruss Andy

    Ich erhebe keinen allgemeingültigen Anspruch auf die Wahrheit, wie alle Menschen habe auch ich nur meine Sicht der Dinge!

  • Alles damit die Zahlen stimmen. Glückwunsch! Leider weit verbreitete Firmenkultur!

    Kann ich bestätigen . Kenn ich auch dass meldepflichtige Unfälle umdeklariert werden

    Gruß tanzderhexen


    "Das Verhüten von Unfällen darf nicht als eine Vorschrift des Gesetzes aufgefasst werden, sondern als ein Gebot menschlicher Verpflichtung und wirtschaftlicher Vernunft"
    Werner von Siemens, Zitat von 1880
    „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
    Aristoteles griech. Philosoph 384 -322 v. Chr.

  • Aus eigener Erfahrung: Wenn mehrere Firmen Mitarbeiter auf einer Baustelle oder in einem Werk haben, dann kann es durchaus aussagekräftige und wertvolle Beinaheunfallmeldungen geben. Ich habe z. B. einen Fall erlebt, bei dem Werkzeug von einem Gerüst fiel und direkt neben einem Mitarbeiter einer anderen Firma aufschlug. Da gab es keinen, der ein Interesse am Aufbauschen oder Vertuschen hatte.


    Ich war damals zufällig vor Ort und konnte die entsprechenden Schritte einleiten, also die Dokumentation veranlassen, die Beteiligten befragen u. ä. m.. Es zeigte sich, dass das Gerüst zwar von oben gesehen bis zum eingerüsteten runden Behälter reichte, aber schräg größere Teile durchrutschen konnten. Die Erkenntnis war wichtig und nützlich, wäre aber dieselbe gewesen, wenn das herabgefallene Werkzeug den Mitarbeiter getroffen hätte.



    Gruß Michael

    SiFaFa weil ich zwei BG-spezifische Blöcke erfolgreich absolviert habe.

  • Guten Abend Heinz,


    Wir verankern das Thema in den Morgenbesprechungen (bei allen) für alle Ebenen vor allem in der Mitarbeiterebene, desweiteren darf jedes Thema angesprochen werden, ohne das die Mitarbeiter mit einer Strafe rechnen müssen.

    Auch die Fremdfirmen können und müssen drüber sprechen. Z. B. Aufforderung diese Themen selber anzusprechen damit andere davon lernen können, ansonsten gibt es eine klare Ansprache am nächsten Tag durch die Aufsichtsebenen und dann kann es auch einmal krachen.


    Eine Rückmeldung über den Stand ist wichtig, ansonsten geht das Interesse bald verloren. Das Motto könnte dann lauten "ein neues Schwein, dass durch das Dorf getrieben wurde."


    Es ist nicht einfach, vorallem das mit dem Rückmelden. Aber mit Rückschlägen und viel viel und noch mehr Arbeit kannst du da etwas bewegen.


    Gruß RaBau

    Fremde Meinungen sind zu akzeptieren meine Antwort auf "du" oder "sie". Ich möchte geduzt werden.
    Ich schreibe weiter alles mit DU (siehe Forumsregel). Die die kein Du haben wollen, machen gedanklich immer aus dem Du ein Sie.
    Gruß RaBau


    Nur Pessimisten schmieden das Eisen, solange es heiß ist. Optimisten vertrauen darauf, dass es nicht erkaltet. (Zitat von Peter Bamm)

  • Ich muss Frank hier mal zustimmen. Im letzten Amerikanischen Betrieb bei dem ich im Einsatz war, wurde ich dazu eingeladen an einem Software Projekt mitzuarbeiten über das Meldungen erfasst werden sollten. Da hat man dann in der Meldeprozedur unterschieden zwischen Unfällen und unsicheren Zuständen und Handlungen. Und Beinahe Unfälle hat man in letztere Kategorie eingeordnet.

    Ich hatte meine liebe Mühe zu erreichen dass Beinahe Unfälle wie Unfälle behandelt und analysiert werden. Da ist nämlich das Problem. Es fehlt in den meisten Betrieben festzulegen was denn als beinahe Unfall gilt.

    Eine Meldung über nicht getragenen Gehörschutz ist kein Beinahe Unfall. Es ist eine unsichere Handlung, egal ob mit Absicht oder nicht.

    Sich nicht am Handlauf halten, beim Treppensteigen, ebenso.

    Wenn aber jemand sich am Handlauf festgehalten hat, und dieser sich plötzlich aus seiner Verankerung löst und man nicht gefallen ist und sich nicht verletzt hat, dann ist es ein Beinahe Unfall.


    Ein Beinahe Unfall ist ein Ereignis das glimpflich abgelaufen ist weil der Betroffene einen Schutzengel hatte. Dann muss das genau so analysiert werden wie wenn sich der Betroffene verletzt hätte.


    Unsichere Handlungen sind erst mal nur, nicht befolgte Regeln. (hier zu Meldungen zu verpflichten finde ich, ist anschwärzen der Kollegen, besser ist die Kollegen zu sensibilisieren den Regelbrecher darauf hinzuweisen. Es ist falsche Kameradschaft das nicht zu tun. In Unterweisungen immer wieder darauf hinzuweisen ist meiner Meinung nach wichtig. Melden erst, wenn der Kollege es immer wieder mit voller Absicht macht. Sowie die Raser die keine Geschwindigkeitsbegrenzung beachten weil sie diese als eine Empfehlung verstehen und sie es besser wissen, sie gibt es auch im Arbeitsleben)


    Unsichere Zustände sind schon eher wichtig gemeldet zu werden. Aber, einen unsicheren Zustand zu melden bedeutet ja nicht dass es schon ein Ereignis gab. Der Kollegen oben hat gesehen dass der Handlauf an einer Verankerungen locker scheint, er wackelte beim festhalten hielt aber. Es wird dann gemeldet und gleich instand gesetzt, bevor der beinahe Unfall passiert. Dann muss auch weiter nichts gemacht werden.


    Ich weiß noch gut auf meiner allerersten Baustelle. Die Quote der Unsicheren Handlungen und Zustände war hoch. Also wurde wild gemeldet sobald jemand den Helm nur für 1 Minute vom Kopf nahm um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. 95 % der Meldungen die ich abzuarbeiten hatte waren quasi wertlos. Eine Quote um der Quote willen zu erfüllen ist nicht hilfreich.

  • In der Ausleger-Hubarbeitsbühne hat man sich anzuschlagen, keine Diskussion.


    Ich sah einen Mitarbeiter ohne PSAgA den Ausleger schwenken (ca. 3 m über dem Boden), und er ist aus einem mir nicht erkennbaren Grund heftig in Schwingung geraten (ca. 30-40 cm +/- Ausschlag, ca. 3-4 von den größeren Pendelbewegungen). Evtl. eine Fehlbedienung? Jedenfalls ist er nirgendwo gegengestoßen und auch nicht über eine Unebenheit gefahren. Er ist während der Schwingung im Korb geblieben, hat sich aber deutlich festgehalten (an den Bedienelementen).


    Laut Aussage der Mitarbeiter hat er "nur" den Ausleger weggeschwenkt, damit der Kran abladen kann, aber das Fahrzeug insgesamt nicht bewegt.


    Der Vorarbeiter, der wegen Nichtnutzung PSAgA schon verwarnt ist, stand vor der Arbeitsbühne und gab die Anweisungen (für den Schwenk).


    Der Vorarbeiter hat sich in letzter Zeit viel Mühe gegeben, positiv aufzufallen, aber diesmal - und angenommen unbeobachtet - hat er wieder einen Fail geliefert. Im unbeobachteten Zustand ist er also nicht zuverlässig (generalisiere ich mal so aus Eigeninitiative).


    Beinaheunfall oder unsichere Handlung?


    IMO glasklar Beinaheunfall, weil die Schwingung auch zum Sturz hätte führen können.


    Am Montag werde ich zur Aufarbeitung der Situation einladen, wahrscheinlich mit der Konsequenz, dass der Kollege aus der Arbeitsbühne wohl nach Hause darf, er hat schon eine Verwarnung.


    Den Vorarbeiter hole ich im gleichen Zug ins Büro. Er ist ja auch schon verwarnt. Mal sehen.


    Oder bin ich jetzt zu streng...?

  • hallo zusammen, bei uns gibt es auch eine Datenbank in der die Beinahe Ereignisse dokumentiert und ausgewertet werden. Bei Beinahe Unfällen mit signifikanten Gefährdungsspotential werden so genannte "onepager" erstellt (Titel, Beschreibung des Vorfalls, Faktoren, Sofortmaßnahmen und Maßnahmen gegen Wiederholung. ) diese werden dann den Abteilungen und relevanten Feemdfirmen zur Verfügung gestellt. Bei uns wird das sehr gut angenommen