Notausstieg und schwangere Mitarbeiterin

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  • Hallo Kollegen,


    ich stehe gerade etwas auf dem Schlauch. Ich bin gerade dabei die GFB "Mutterschutz" zu erstellen und stopere gerade über folgenden Punkt. Unsere Verwaltung (reine Büroarbeit) befindet sich im zweiten Stock. Das Gebäude war eine alte Scheune und hat nur einen Treppenraum. Das Brandschutzkonzept sieht in den oberen Etagen Notausstiege vor, die von der Feuerwehr mit Leitern zu erreichen sind. Dies ist alles gegeben.
    Aber wie gehen ich mit einer Schwangeren Mitarbeiterin um wenn das Treppenhaus verraucht ist? Auf Leitern besteht ja eine erhöhte Absturzgefahr! Muss ich hier von einem BV ausgehen, da ich keinen zweiten "sicheren" Fluchtweg habe? Mein Bauchgefühl sagt ja aber ich würde gerne noch andere Meinungen hören.


    Gruß Andre

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  • Hallo,


    Sicherstellung mit was für Leitern? Steckleiter oder Drehleiter?
    Ich halte beides für unproblematisch, wenn es keine Ein-
    schränkungen in der Mobilität gibt. Eine Absturzgefahr bei einer
    Drehleiter kann man weitgehend verneinen. Hier hat man nur mit
    dem Einstieg einen kritischen Punkt. Bei Rettung über Steckleiter
    oder generell tragbare Leiter, kommt es natürlich auf den konkreten
    Einzelfall an. Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Im
    Idealfall ist aber die zu rettende Person mit Fangleine gesichert und
    der Abstieg erfolgt zusammen mit einem Feuerwehrangehörigen.


    Des Weiteren kann man natürlich mit zusätzlichen Maßnahmen (z.B.
    Rauchwarnmelder) im Treppenhaus etc. versuchen, den Zeitpunkt der
    Branderkennung so früh wie möglich zu gestalten. Damit letztlich eine
    weitgehend gefahrlose und eigenständige Flucht über das
    Treppenhaus möglich ist. Das sollte auch im Interesse der anderen
    Mitarbeiter sein. Gerade bei einem Rettungsweg über Geräte der Feuerwehr,
    stellt sich immer auch die Frage zur Personenzahl. Zusätzlich kann man
    noch Hilfsmittel, wie z.B. Brandfluchthauben vorhalten, wobei man
    vorsichtig sein muss.


    Auch den baulichen Brandschutz kann man betrachten, hier wäre das
    Ziel: Rauchfreies Treppenhaus. Was für Maßnahmen hier notwendig
    wären, sind natürlich vom Einzelfall abhängig.


    Gruß
    Simon Schmeisser

    Durch einen guten vorbeugenden Brandschutz und entsprechende Brandschutzaufklärung kann davon ausgegangen werden, dass mehr Menschenleben und Sachwerte bewahrt werden können, als durch alle Einsatzleistungen und Bemühungen im Ernstfall zusammen. Simon Schmeisser These "VB-ein Weg aus der Feuerwehrkrise" Fachzeitschrift Feuerwehr 2010

    Einmal editiert, zuletzt von SimonSchmeisser ()

  • Servus!


    Schon mal an ein Rauchhaube gedacht? Was meint die zuständige Feuerwehr?
    Ich wohne z.B. in einem Hochhaus (>10 Stock & ein isoliertes Treppenhaus). Unsere Feuerwehr hat für verrauchte Treppenhäuser (sonst i.O.) Rauchhauben für die Personenrettung (unisex und eine Größe für alle), die an die Atemgeräte des Personals angeschlossen werden bzw. eine eigene Atemversorgung haben.

    Professionelle 'Bedenkenträger' hat niemand gerne!
    Probleme hab ich selbst genug, Lösungen sind gefragt ...

  • Hallo,

    Servus!


    Schon mal an ein Rauchhaube gedacht? Was meint die zuständige Feuerwehr?
    Ich wohne z.B. in einem Hochhaus (>10 Stock & ein isoliertes Treppenhaus). Unsere Feuerwehr hat für verrauchte Treppenhäuser (sonst i.O.) Rauchhauben für die Personenrettung (unisex und eine Größe für alle), die an die Atemgeräte des Personals angeschlossen werden bzw. eine eigene Atemversorgung haben.

    Das muss aber die Feuerwehr vorhalten und hat
    Nachteile.


    Gruß
    Simon Schmeisser

    Durch einen guten vorbeugenden Brandschutz und entsprechende Brandschutzaufklärung kann davon ausgegangen werden, dass mehr Menschenleben und Sachwerte bewahrt werden können, als durch alle Einsatzleistungen und Bemühungen im Ernstfall zusammen. Simon Schmeisser These "VB-ein Weg aus der Feuerwehrkrise" Fachzeitschrift Feuerwehr 2010

  • Was hindert mich als Unternehmen so eine Rauchhaube anzuschaffen? Sinnvollerweise natürlich in Abstimmung mit der örtlichen Feuerwehr. Ähnlich ist es m.A.n. mit einem Rettungstuch.
    Und der Personenkreis ist ja nicht nur auf werdende Mütter begrenzt. Also auch nach der Schwangerschaft noch für andere Personen nutzbar.
    Klar ein ideales Rettungsmittel das für jeden Fall optimal einsetzbar ist gibt es meines Wissens (noch) nicht.

    Professionelle 'Bedenkenträger' hat niemand gerne!
    Probleme hab ich selbst genug, Lösungen sind gefragt ...

  • Erstmal vielen Dank für die ganzen Denkanstöße.


    Ich werde als nächstes mal versuchen einen Termin mit der Feuerwehr zu bekommen um die Thematik mit denen direkt vor Ort zu besprechen.

  • Hallo,

    Was hindert mich als Unternehmen so eine Rauchhaube anzuschaffen?

    Zum Beispiel die Technik. Nicht jede Fw. hat auch Atemschutztechnik
    in der Verwendung, bei der ein Anschluss möglich ist. Mit einem
    Rettungstuch können sie das nicht vergleichen.


    Gruß
    Simon Schmeisser

    Durch einen guten vorbeugenden Brandschutz und entsprechende Brandschutzaufklärung kann davon ausgegangen werden, dass mehr Menschenleben und Sachwerte bewahrt werden können, als durch alle Einsatzleistungen und Bemühungen im Ernstfall zusammen. Simon Schmeisser These "VB-ein Weg aus der Feuerwehrkrise" Fachzeitschrift Feuerwehr 2010

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  • Aber wie gehen ich mit einer Schwangeren Mitarbeiterin um wenn das Treppenhaus verraucht ist? Auf Leitern besteht ja eine erhöhte Absturzgefahr! Muss ich hier von einem BV ausgehen, da ich keinen zweiten "sicheren" Fluchtweg habe? Mein Bauchgefühl sagt ja aber ich würde gerne noch andere Meinungen hören.

    Für die Rettung über Leitern durch die Feuerwehr gibt es in der Feuerwehrdienstvorschrift 1 eine klare Vorgabe zur Vorgehensweise:

    Zitat von Feuerwehrdienstvorschrift 1

    18.1.3 Retten über Leitern
    Beim Retten über Leitern der Feuerwehr ist ... die zu rettende Person beim Absteigen mit einer Feuerwehrleine zu sichern. Beim Retten über die Drehleiter ist die zu rettende Person, soweit es die Lage erfordert und zulässt, durch einen vorabsteigenden Feuerwehrangehörigen zu sichern.

    Und,
    welche der beiden beschriebenen Situationen (verrauchter Fluchtweg, Abstieg über Leiter) stellt das größere Risiko dar und bei welcher der beiden Situationen ist das momentane Schadenrisiko für die Mitarbeiter deutlich höher?
    Oder, Alternative, die betreffenden Mitarbeiterinnen arbeiten in einem ebenerdig zu erreichenden Büro. Damit vermeidest du auch Treppenstürze.

    Beste Grüße,
    Udo


    Sapere aude!
    (Horaz)

    Einmal editiert, zuletzt von Safety-Officer ()

  • Die ist schwanger und nicht krank. Meine Frau ist bis zum letzten Tag vor der Geburt in einer Großstadt Fahrrad gefahren.

    Man(n) ist erst dann ein Superheld, wenn man sich selbst für Super hält!
    (unbekannt)

    „Freiheit ist nicht, das zu tun, was Du liebst, sondern, das zu lieben, was Du tust.“
    (Leo Tolstoi)



    Gruß Mick

  • Erstmal vielen Dank für die ganzen Denkanstöße.


    Ich werde als nächstes mal versuchen einen Termin mit der Feuerwehr zu bekommen um die Thematik mit denen direkt vor Ort zu besprechen.

    Hallo
    die Idee mit den Fluchthauben ist sicher ok, wenn wirklich etwas zusätzliches gemacht werden möchte.
    ABER
    aus welchem Grund möchten Sie dies mit der Feuerwehr besprechen??
    Je nach Örtlichkeit haben Sie evtl. eine FF, was soll hier besprochen werden?


    Maßnahmen dieser Art zählen zum „organisatorischen Brandschutz“ und dieser obliegt dem Unternehmer mit Beratung der Sifa bzw. BS-Beauftragten insofern dieser vorhanden ist.


    Eine Feuerwehr hat grundsätzlich NUR Aufgaben im abwehrenden Brandschutz.
    Schaffen Sie doch so eine Haube an, unterweisen die Betroffenen und gut ist‘ s.

    Gruß
    AL_MTSA


    Sicherheit schaffen ist besser als Vorsicht fordern.
    Ernst Gniza (1910 – 2007),

  • Also ich würde, wenn es eben geht, vermeiden Personen durch verrauchte Bereiche zu schicken - ob mit Haube oder ohne. Wie hoch ist denn das Risiko eines Treppensturzes in einem verrauchten Flur (unter Begleitung anderer, fast in Panik geratener Personen oder sogar allein) gegenüber eines Absturzes von der Leiter unter professioneller Begleitung eines Feuerwehrmannes? Ihr habt zwei ausgewiesene und genehmigte Fluchtwege. Diese würden für mich auch für Schwangere gelten.


    Wenn ihr bereits Hosenträger, Gürtel und Druckknöpfe habt, versucht doch nicht die Hose noch mit Popnieten an der Hüfte festzuklammern!


    Bei gesunder Risikobewertung werdet ihr hier kein signifikant erhötes Risiko feststellen; zumindest nicht, solange die Schwangere noch ihrer geregelten Arbeit nachgehen kann.


    Anyway, wenn Du die Popnieten doch unbedingt haben willst, bleibt dir wohl nur ein ebenerdiges Büro...


    In diesem Sinne
    Der Michael

    "...and the image is reflected back to the other side..." (Alan Parsons Project)

    Einmal editiert, zuletzt von MichaelD ()