Sind die DAkkS und die CABs bei AMS-Audits strukturbedingt zu unkritisch?

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  • Bei der Aufsicht von Zertifizierern (CABs = Conformity Assessment Bodies) müssen die Aufsichtspersonen der DAkkS überlegen, wit welchen Stellen sie in Konflikt geraten können. Sie werden zum Einen bestrebt sein, Konflikte mit der eigene Geschäftsführung (BDI, BWMi, z.T. auch drei Länder) zu vermeiden; zum Anderen sind insbesondere auch die großen die CABs einflussreich genug, zu kritische Aufsichtspersonen bei der DAkkS und in den eigenen Reihen unter Druck setzen zu können. Die CABs müssen ja auch auf die Kontinuität ihres Geschäfts achten in einem Wettbewerb, in dem sich die sie bezahlenden Unternehmen vermutlich nicht die strengsten CABs aussuchen. Die Arbeitnehmer (im Arbeitsschutz die eigentlichen Stakeholder) sind dagegen keine zahlenden Kunden der CABs.


    Nach meinem Eindruck auditieren CABs insbesondere in Großbetrieben sehr milde. Beispiel: Beschweren sich Arbeitnehmer bzw. deren Vertreter bei der DAkkS, dass eine von den Arbeitnehmern festgestelle Abweichung von OHSAS 18001:2007 im AMS ihres Betriebes vom CAB bei Rezertifizierungs-Audits nicht als Abweichung eingestuft wird (oder z.B. dass der CAB, ohne dafür akkreditiert zu sein, Feststellungen zu Aufgaben des Arbeitsschutzes trifft, die nicht im AMS eingeordnet sind sondern angeblich vom Arbeitgeber außerhalb des AMS erledigt werden), dann ist dieser Konflikt mit den Arbeitnehmern für die DAkkS (und für die CABs) möglicherweise erträglicher, als wenn der auditierte Betrieb dem CAB wegen zu kritischer Audits Ärger bereiten könnte. Sind Audits dem Unternehmer zu kritisch, dann kann er ja mehr oder weniger subtil damit drohen, sich für die Zukunft einen zurückhaltenderen CAB zu suchen.


    Nach meinem Eindruck ist der Respekt der DAkkS und der CABs vor Großunternehmen (z.B. DAX-Unternehmen) in Deutschland besonders ausgeprägt. Der Respekt scheint zumindest größer zu sein, als der Respekt, den die DAkkS und CABs gegenüber den Arbeitnehmern und ihren Vertretern aufbringen. Sind mit Blick auf die Zusammensetzung der Geschäftsführung der DAkkS und hinsichtlich der Wettbewerbsbedingungen für die CABs die Durchführungen kritischer Audits von Arbeitsschutzmanagementsystemen in wirtschaftlich und politisch einflussreichen Großunternehmen eher unwahrscheinlich? Habe wir im Zertifizierungsgeschäft ein grundsätzliches strukturelles Problem?


    Was meint Ihr?


    Mit den besten Grüßen,
    achtzehntausendeins

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  • Mal ganz einfach gefragt wer brauch diesen ganzen Aufwand, es kostet iel Geld und bewirkt nichts.
    Es wird viel guter Baumbestand für das Papier das bedruckt wird verbraucht und in meinen Augen viel zuviel Geld zum Fenster rausgeworfen, dass an anderen Stellen besser eingesetzt werden könnte.


    Aber das ist meine Meinung

    "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
    Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer."


    "Bessser auf neuen Wegen etwas stolpern, als in alten Pfaden auf der Stelle zu treten"

  • Mal ganz einfach gefragt wer brauch diesen ganzen Aufwand, es kostet iel Geld und bewirkt nichts.
    Es wird viel guter Baumbestand für das Papier das bedruckt wird verbraucht und in meinen Augen viel zuviel Geld zum Fenster rausgeworfen, dass an anderen Stellen besser eingesetzt werden könnte.


    Aber das ist meine Meinung

    Das Argumentemuster mit dem Baumbestand ist ja nicht ganz unbekannt, klingt aber anscheinend doch noch immer wieder cool. Übrigens: Heute geht's inzwischen überwiegend auch ohne Papier.


    Aus meiner Erfahrung: Z.B. OHSAS 18001 erzeugt zunächst Aufwand, die disziplinierte Umsetzung hilft dann aber, Streit zu vermeiden. Der Standard erwies sich insbesondere für den Betriebsrat als wichtiges Instrument, denn er schafft eine gemeinsame und gut strukturierte Basis für die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung im Arbeitsschutz. Und wenn der Betriebsrat Mitglieder hat, die auditbefähigt sind, dann kann er auch schon einmal Feststellungen der behördlichen Aufsicht und der Zertifizierungsauditoren in Frage stellen. Die haben inzwischen zwar auch im Bereich der psychischen Belastungen Kompetenz aufgebaut, sind aber in dem Konfliktfeld, in dem auch engagierte Aufsichtspersonen und Prüfer arbeiten müssen, ziemlich überlastet.


    Im konkreten Fall hatte der Betriebsrat noch vor einigen Jahren keine Ahnung von AMS-Standards. Nach einer Beschwerde des Betriebsrates verwies das Unternehmen auf sein OHSAS 18001 Zertifikat, das bestätigen sollte, dass das Arbeitsschutzmanagementsystem in Ordnung sei. Das war der Auslöser für den Betriebsrat, einmal genauer hinzusehen. Er machte sich also schlau und konnte dann sogar eine Auditüberprüfung veranlassen, nachdem sich gezeigt hatte, dass der CAB (und auch die internen Auditoren) einen wichtigen Mangel jahrelang übersehen hatten. Anschließend konnten mit den Kenntnissen des Betriebsrates Verbesserungen erreicht werden, die er ohne OHSAS 18001 nicht hätten erreichen können.


    Ich stimme Dir zu, in den meisten Fällen ist die AMS-Zertifizierung vor allem ein gutes Geschäft für die CABs. Gerne wird hier dann doch auch mal ein Papier ausgedruckt: Das Zertifikat als Wanddekoration. Wenn die Arbeitnehmervertreter aber Kompetenz im Umgang mit einem AMS erwerben, dann können AMS-Standards sehr hilfreich sein. (Was hilfreich ist, hängt allerdings wohl auch von den verschiedenen Interessenlagen in einem Betrieb ab.) Es ist gut für Betriebsräte, Prozesse und Maßstäbe anwenden zu können, auf die sich der Arbeitgeber selbst verpflichtet hat.


    Grüße zum Wochenende,
    achtzehnteusendeins