Frage zur Vorgehensweise Analyse (psychische Gefährdungsfaktoren)

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  • Hallo,


    bei meinem Praktikum betrachte ich einen Alleinarbeitsplatz (Schwimmbaggerführer) besonders in Hinblick auf psychische Belastungen (da bei Einhaltung der Vorschriften keine erhöhten Gefährdungen an diesem Arbeitsplatz bestehen).


    Für die Analyse gibt es ja verschiedene Methoden, wie zb Chef. Da dieser Arbeitsplatz nur von einem Mitarbeiter besetzt ist (ein weiterer macht nur Vertretung im Urlaubs/Krankheitsfall) ist ja eine Auswertung von Checklisten nicht sehr hilfreich. Ich dachte als Methode an Beobachtung und Beobachtungsinterviews. Wie würdet ihr vorgehen? Gibt es andere Ideen?


    Jens

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  • Hallo Jens,


    es gibt einige Möglichkeiten die psychische Beanspruchung der Mitarbeiter festzustellen.


    Grundsätzlich kommt es auf den Betrieb an .....und wie tief man hier gehen will.


    Bei uns wurde eine Mischung aus Beobachtung und einem moderierten Fragebogen zur Ermittlung der psychischen Beanspruchung der Mitarbeiter genutzt.

    Wenn Du ein Schiff bauen willst.
    So trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeug vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen.
    Sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

  • Es ist halt nur ein einzelner Mitarbeiter, ich hab da so meine Zweifel ob ein Fragebogen da Sinn macht. Wenn man 50 Leute zum Thema befragt hat man einen guten Querschnitt, aber bei 1 MA? Ich werde auf jeden Fall mal den Betriebsarzt befragen....

  • Hallo,
    einen solchen Arbeitsplatz mit Gefährdungsbeurteilung wurde in der Steine+Erden Ausgabe veröffentlicht.
    http://www.steine-und-erden.net/se413/alleinarbeit.html
    Aber ich denke kopieren und einreichen ist nicht gut - die Kollegen kennen natürlich die Veröffentlichung.
    Betrachte doch den Notfall, also ein Notfallablauf, wenn der MA auf dem Bagger gerettet werden muss.

    Gruß
    AL_MTSA


    Sicherheit schaffen ist besser als Vorsicht fordern.
    Ernst Gniza (1910 – 2007),

  • Ein Mitarbeiter allein, soll beurteilt werde?


    Mein früherer Arbeitgeber ist der Ansicht, dass es erst mit mehr als 25 Mitarbeitern Sinn macht, einen Fragebogen auszufüllen. Die Persönlichkeit des einzelnen, seine Wehwehchen und Lebendseinstellungen sollte anonym bleiben.


    Trotzdem kann man auch bei einem einzelnen MA etwas tun:


    - Sind die Wohlfühlparameter, sprich gutes Raumklima in Ordnung?
    - Gibt es eine ruhige Arbeitsatmosphäre (Lautstärke möglichst unter 65 dB(A))?
    - Gibt es ein Telefonstopp der Firma nach Arbeitsschluss?
    - Ist der Baggerfahrer in Reparaturarbeiten und Änderungen leistungsmäßig richtig eingebunden?
    - Werden Überstunden längerfristig angekündigt?
    - Wird darauf geachtet, dass bei ALLEN Veranstaltungen auch der Baggerführer eingeladen wird?
    Unterweisungen, Bekanntmachungen, Geburtstagsfrühstück,....


    Der soziale Kontakt scheint mir wichtig, deshalb sollten sich zumindest am Arbeitsbeginn und/oder Arbeitsende die Kollegen persönlich begegnen. Selbst wenn es nur ein Gruß oder eine kurze Nachricht ist, die dort ausgetauscht werden.


    Grüße
    Flügelschraube

  • Danke AL_MTSA, die Artikel habe ich sogar im Original hier liegen. Und kopieren ist natürlich keine Option, das ist schon klar. Das Thema der Praktikumsarbeit ist schon eingereicht, au?erdem hab ich auch schon Interview und Beobachtungen gemacht. Ich wollte schon irgendwie die psychischen Gefährdungen zum Thema machen, auch aus dem Grund das diese in der aktuellen GB keine große Rolle spielen und ich meine, das gerade den "weichen" Gefährdungsfaktoren zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Na mal sehen ob ich das hinkriege... ;(

  • Genau Flügelschraube, das waren irgendwie auch meine Gedanken. Zuerst ist der Fragebogen nicht mehr anonym und ich weis nicht ob ich ehrliche Antworten bekomme, eine nette Unterhaltung (Interview) und das Ziehen von Schlussfolgerungen meinerseits scheint mir der bessere Weg.


    Gute Hinweise, vielen Dank!!


    Grüße, Jens

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  • Zum einen: Die Gefährdungsbeurteilung ist die Beurteilung des Arbeitsplatzes unabhängig davon, wer diesen Arbeitsplatz bekleidet.
    Zum anderen: Darüber hinaus sind die individuellen Leistungsvoraussetzungen des Mitarbeiters natürlich ebenfalls zu berücksichtigen.


    Sprich: unabhängig von der Zahl der Mitarbeiter sollte der Chef einen gängigen Fragebogen abarbeiten, ob er denn psychische Belastungen überhaupt berücksichtigt hat (die üblichen Kandidaten wie Arbeitszeiten, Entscheidungsfreiheit, Fortbildungen usw.). Es sollte ein fragebogen sein, bei dem der Einsatz von Maschinen im Focus steht. Damit hat der Chef 99% am grünen Tisch "erschlagen", insbesondere, wenn er erkennt, dass er etwas besser organisieren könnte, um Gefährdungen zu reduzieren (wenn alles viel gutt, auch gutt). Das wäre die Gefährdungsbeurteilung zum einen.


    Mein Vorschlag als Zusatz: den Mitarbeiter befragen. Wenn er Sorgen mit Kind und Kegel hat, und die Arbeitszeiten z.B. flexibilisierbar sind, dadurch seine Sorgen geringer werden - warum nicht. Wenn er sagt, "alles gutt", dann ist die Sache auch gegessen. Das wäre die Berücksichtigung der individuellen Leistungsvoraussetzung.


    Muss es perfekt sein? Nein - man kann jederzeit nachbessern (7 Schritte ;-) )


    FG

  • Ein Mitarbeiter allein, soll beurteilt werde?
    ...
    Die Persönlichkeit des einzelnen, seine Wehwehchen und Lebendseinstellungen sollte anonym bleiben.


    Trotzdem kann man auch bei einem einzelnen MA etwas tun: [Liste von arbeitsbedingungsbezogenen Faktoren folgt]

    Ja, das ist der Punkt. Zumindest der gesetzliche Arbeitsschutz verlangt ja überhaupt keine Beurteilung des Mitarbeiters, sondern es geht um die Beurteilung des Arbeitsplatzes (der Arbeitsbedingungen.)


    Grüße,
    achtzehntausendeins


    PS: Mir ist schon klar, dass die diesen Thread einleitende Frage nicht mehr aktuell ist.